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Sonderthema Nesselsucht (Urticaria): Sie kommt oft wie aus heiterem Himmel
20. April 2017 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Plötzlich ist die Haut mit juckenden Quaddeln übersät, manchmal schwellen zudem die Lippen oder die Augenregion an: Jeder Vierte entwickelt mindestens einmal im Leben eine akute Urtikaria. Die Auslöser können vielfältig sein – eine Arzneimittel-Allergie steckt jedoch seltener dahinter als vermutet. Die Urtikaria ist eine der häufigsten Hauterkrankungen, berichtet Priv.-Doz. Dr. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria- und Anigoödem-Sprechstunde an der Universitäts-Hautklinik Mainz. Die Beschwerden treten meist plötzlich „wie aus heiterem Himmel“ auf: An Haut und Schleimhäuten bilden sich Quaddeln, die heftig jucken – als hätte man Brennnesseln berührt, daher wird die Erkrankung auch als Nesselsucht bezeichnet. Vor allem im Lippen- und Augenbereich kann es auch zu tieferen Hautschwellungen, sogenannten Angioödemen, kommen. Bei der akuten Urtikaria bilden sich die Quaddeln nach spätestens 24 Stunden, Angioödeme nach ein bis zwei Tagen zurück. Um den Juckreiz zu lindern, kann ein Antihistaminikum eingenommen werden, so Dr. Staubach. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen entwickelt sich jedoch eine chronische Urtikaria, das heißt die Symptome bleiben länger als sechs Wochen bestehen oder kehren immer wieder zurück. Die Auslöser können ganz verschieden sein. Neben Formen der induzierbaren Urtikaria, die zum Beispiel durch Kälte, Druck oder Sonnenlicht ausgelöst wird, gibt es spontane Formen, deren Ursachen Infekte, Autoimmun-Mechanismen, Nahrungsmittel oder Medikamente sein können. Nicht selten wirken auch mehrere Faktoren zusammen oder kommen kombinierte Formen vor.

Verantwortlich für die Haut- und Schleimhautreaktionen ist der Botenstoff Histamin. In der Haut wird dieser in Mastzellen gespeichert. Werden die Mastzellen „geärgert“, setzen sie vermehrt Histamin in das umliegende Gewebe frei, es kommt zu einer Erweiterung der Gefäße mit nachfolgender Schwellung sowie zu Juckreiz, erklärt Dr. Staubach. Werden Mastzellen in den Schleimhäuten der Atemwege stimuliert, können Schluckbeschwerden und Atemnot die Folge sein, bei einer Aktivierung der Mastzellen in Schleimhäuten des Magen-Darm-Traktes kann es zu Bauchschmerzen, Übelkeit und/oder Durchfall kommen. Bei den akuten Formen der Nesselsucht können Allergene beispielsweise in Nahrungsmitteln nach vorangegangener Sensibilisierung eine Urtikaria auslösen. Eine allergisch bedingte Arzneimittelurtikaria sei dagegen selten, so Dr. Staubach. Patienten vermuten häufig eine „Penicillin-Allergie“, wenn unter der Einnahme eines Antibiotikums ein Hautausschlag auftritt. Penicilline, Sulfonamide und Cephalosporine können zwar Auslöser einer akuten Urtikaria sein. Meist sind die Hautreaktionen jedoch Folge einer Infektion, wie beispielsweise eines grippalen Infekts.

Ein Verdacht auf eine allergisch bedingte Urtikaria sollte beim Hautarzt abgeklärt werden, rät die Hautärztin. Entsprechende Testungen sind allerdings erst etwa drei Wochen nach Beginn der Symptomatik möglich. Kann eine Allergie ausgeschlossen werden, muss auf die verdächtigten Medikamente oder Nahrungsmittel nicht unnötig verzichtet werden. Bestätigt sich die Allergie jedoch, sollte künftig die auslösende Substanz wenn möglich gemieden werden, da es schon auf kleinste Mengen zu heftigen Reaktionen kommen kann. In seltenen Fällen kann eine Urtikaria im Rahmen einer schweren allergischen Reaktion mit Schwellungen an Zunge und Kehlkopf und Atemnot bis hin zum allergischen Schock auftreten. Dann ist eine sofortige Notfallbehandlung erforderlich. Weitaus häufiger als eine Allergie ist eine Intoleranz die Ursache einer Urtikaria, erklärt Dr. Staubach. Hierbei kommt es ohne Antikörperbildung dosisabhängig zu einer direkten Stimulierung der Mastzellen. Auslöser können beispielsweise Nahrungsmittelzusatzstoffe oder auch Medikamente sein. Unter den Arzneimitteln können insbesondere entzündungshemmende Schmerzmittel, sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen, eine Urikaria hervorrufen. Betroffene sollten bei Bedarf auf andere Schmerzmittel wie Paracetamol ausweichen. Können die Auslöser einer chronischen Urtikaria nicht dingfest gemacht, behoben oder vermieden werden, ist eine effiziente hautärztliche Therapie umso wichtiger. Zur Behandlung werden Antihistaminika, bei Bedarf auch in hohen Dosierungen, und wenn dies erfolglos bleibt, Immunmodulatoren wie Anti-IgE eingesetzt. Weitere Informationen hierzu sind unter www.urtikaria.net erhältlich.

Quelle: Presseinformation des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD)

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