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Aktuelles zur Behandlung von anlagebedingtem Haarausfall
8. August 2010 - Dr. Jens Meyer

Das Thema Haarausfall stand auch auf der 22. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie in München im Blickpunkt. Alle 2 Jahre treffen sich dort Hautärztinnen und Hautärzte aus ganz Europa zu Deutschlands größtem dermatologischen Kongress. In einem Symposium berichteten Prof. Hans Wolff, Dr. Christian Kunte und Dr. Uwe Schwichtenberg vor voll besetztem Saal über Aktuelles zur Therapie von anlagebedingtem Haarausfall (Androgenetische Alopezie, AGA).

Zunächst betrat Dr. Christan Kunte von der Ludwig-Maximilians-Universität München das Rednerpult. Er machte deutlich, dass Minoxidil und 1 mg Finasterid die einzigen beiden Wirkstoffe mit fundiertem wissenschaftlichen Wirkungsnachweis seien. Speziell zu Minoxidil berichtete er, dass es hier zu keiner Toleranzentwicklung gegenüber dem Wirkstoff komme, die Wirkung also auch bei langjähriger Behandlung erhalten bliebe. Ursprünglich wurde Minoxidil als innerliche Behandlung für erhöhten Blutdruck entwickelt. Bei korrekter äußerlicher Anwendung seien Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System jedoch nicht zu erwarten. Minoxidil stehe sowohl für Frauen (2%ige Lösung, Regaine Frauen) als auch für Männer (5%ige Lösung, Regaine Männer) zur Behandlung der AGA zur Verfügung.

Zur Therapie mit Minoxidil zeigte Dr. Kunte Verlaufsbilder von Patientinnen und Patienten über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Auf den Photos war z.T. eine deutliche Verdichtung des Haarkleides erkennbar. "Das primäre Ziel ist jedoch nicht die Verdichtung, sondern der Erhalt der noch vorhandenen Haare", so Kunte. Mann müsse sich klarmachen, dass es ohne eine Therapie zu einer mehr oder weniger kontinuierlichen Abnahme der Haardichte kommen würde.

Im Anschluss berichtete Prof Hans Wolff, ebenfalls tätig in der Ludwig-Maximilians-Universität München, über Wissenswertes aus dem klinischen Alltag und der Grundlagenforschung. Für die Blickdiagnose des anlagebedingten Haarausfalls sei es wichtig, die einzelnen Verläufe zu kennen. Hier könnten insbesondere bei Männern diverse Muster auftreten, wie z.B. ein ausschließlicher Befall des hinteren Oberkopfes (Vertex Muster der Hamilton-Norwood-Skala). Dies könne z.B. bei dem Fussballtrainer Ottmar Hitzfeld beobachtet werden. Die Therapie der AGA sei jedoch bei allen Mustern die Gleiche. Interessant sei, so Prof. Wolff, dass das "Schicksal" jedes einzelnen Haarfollikels schon bei der Geburt vorprogrammiert sei. So stünde schon zu Beginn des Lebens fest, dass z.B. ein Haar in der rechten Geheimratsecke im Alter von 32 Jahren ausfallen werde.

Im Weiteren Verlauf des Vortrages kritisierte Prof. Wolff klinische Studien, in denen lediglich die Rate an Haaren in der Wachstumsphase (Anagenhaarrate) als Erfolgsparameter herangezogen würde. Diese sei zum Nachweis der Wirksamkeit eines Haarwuchsmittels jedoch nicht geeignet. Zunächst würden hier Personen mit erhöhtem Haarwechsel ausgewählt. In den meisten Fällen käme es allerdings aufgrund physiologischer Schwankungen ohnehin wieder zu einer Normalisierung der Anagenrate, auch ohne Therapie. Die Anagenrate alleine sage nichts über die Entwicklung des Haarverlustes im Rahmen der androgenetischen Alopezie aus.

Bei der Anwendung von Minoxidil könne es in seltenen Fällen zu einer Reizung der Kopfhaut bzw. der Ausbildung einer Kontaktallergie gegenüber einem der Inhaltstoffe kommen, insbesondere gegenüber dem Lösungsvermittler Propylenglykol. Möchte man als Patient oder Patientin aufgrund empfindlicher Haut vorab testen, ob man die Minoxidil Lösung vertragen könne, riet Prof. Wolff zu folgendem Vorgehen: Man trage die Minoxidillösung 1 Woche lang immer 2x/Tag an der gleichen Stelle an der Innenseite eines Oberarmes auf. Komme es hierbei zu Rötung und Juckreiz auf der Haut, so sei von einer Überempfindlichkeit auszugehen. Wann der Regaine Schaum in Deutschland auf den Markt komme, der ohne den Zusatzstoff Propylenglykol hergestellt wird, sei noch unklar. Im Ausland sei dieser bereits zugelassen (Handelsname dort Rogaine Foam).

Den Abschluss machte Dr. Uwe Schwichtenberg, niedergelassener Hautarzt aus Bremen. Zunächst betonte er die Wichtigkeit, insbesondere Patientinnen vor einer Therapie mit 2% Minoxidil auf das sogenannte "Shedding" hinzuweisen. Unter Therapie mit Regaine Lösung könne in ca. 1/3 der Behandlungen zunächst verstärkter Haarausfall auftreten. Die Ursache hierfür liege in einem Ausschieben locker sitzender Haare im Telogenstadium (Ausfallsstadium) durch die im selben Haarfollikel verstärkt nachwachsenden Anagenhaare (Wachstumshaare). Der Beginn der "Shedding-Phase" liege im Allgemeinen zwischen der 2. und 6. Behandlungswoche und dauere meist nur 2 bis 4 Wochen. Insgesamt werde das "Shedding" als Zeichen guten Ansprechens auf die Therapie interpretiert. Die durch die Behandlung ausgeschobenen Haare würden verstärkt wieder nachwachsen, so Schwichtenberg.

Dr. Schwichtenberg stellte den Besuchern der Veranstaltung auch das Haararzt Suchportal TrichoCare.de vor. Dort seien mittlerweile über 170 auf das Thema Haare spezialisierte Ärzte eingetragen. Neben der Suche nach einem Arzt in der Nähe hätten Patienten dort auf der Startseite auch die Möglichkeit, einen Haarfragebogen auszudrucken, auszufüllen und zum Besuch beim Dermatologen mitzunehmen. Für eine rasche Übersicht über das Thema Haarausfall eigne sich im Gespräch mit den Patienten eine Informationsbroschüre, auf der die wichtigsten Formen des Haarausfalls samt Therapien und Diagnoseverfahren vorgestellt werden.

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